Gründungsurkunde

Ortsgeschichte
Die Ortsgeschichte von Weinzierl (von Dr. Ernst Englisch)

Schon Anfang des 12. Jahrhundert wird die Ansiedlung der vinitores - Weinzierl (Weinhauer) östlich von Krems entstanden sein.

So erhält bei seiner Gründung 1112 das Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen (nahe der Traisenmündung, 1244 nach Herzogenburg verlegt) unter anderem auch Weingartenbesitz in uuivinzirlin. Aus dem Kontext der Urkunde neige ich doch wieder zur Annahme, dass es sich dabei um unser Weinzierl handelt.

Ca. 1125 werden Weingärten in der Ried Teillant als Salzburger Besitz genannt, ca. 1160 erschien erstmals der Weinzierlberg (mons vinitorum), wo Mondsee Weingärten erhält.

 Schließlich wird in einem Wunderbericht von 1209 eine Chunigunt von Weinzierl bei Krems genannt. Sie unternimmt eine Wallfahrt zu neu aufgefundenen Reliquien nach St. Pölten und erlangt dadurch ihre Heilung.

Das Beraitungsbuch von 1591 ("beraiten" = berechnen, hier die steuerlichen Abgaben) vermerkt 24 steuerpflichtige Häuser. Dazu kommen die Anwesen der 20 Lehner, die ihre Abgaben direkt an die herzogliche Kammer (über das Schlüsselamt) entrichteten. Mit den ca. 8-10 Freihöfen (z.B. Stiftsbesitz) zählte Weinzierl also damals über 50 Häuser. Diese geschätzte Zahl erhöhte sich in den folgenden Jahrhunderten, denn der Niederösterreichische Topographische Landesschematismus von 1796 weist 75 Häuser aus

Die Lehnergemeinschaft - Die 20 Lehner

Vom 25. März 1340 stammt das Weistum über die Rechte der Lehner, das ihnen Herzog Albrecht II. bestätigt hat.

Hier werden die Sonderrechte der landesfürstlichen (herzoglichen) Lehner festgelegt. Ob es sich dabei um die älteste schriftliche Fixierung handelt bleibt offen, denn der Inhalt ist in seiner Substanz wesentlich älter.

Vieles im ausgehenden Hohen Mittelalter (12./13. Jahrhundert) war Gewohnheitsrecht und wurde zunächst mündlich tradiert.

Jeder dieser Lehner hatte 1 Joch landesfürstlicher Weingärten zu bebauen, wofür ihm nur ein geringer Teil als Entschädigung zustand

(" der 11. Eimer und der nasse Trester ").

Dafür genossen sie aber in anderen Bereichen besondere Privilegien, diese bestanden vor allem in Form von Steuervorteilen.

Ausgangspunkt einer solchen Entwicklung kann nur landesfürstliches Eigentum sein, und tatsächlich wird solches in einer Urkunde von 1136 für Markgraf Leopold III. genannt, der Eigengut in Teillant besaß. (Neuentdeckung von Dr. Ernst Englisch).

Gründungsurkunde

Die Ortsobrigkeit - Gericht, Verwaltung

Zwischen 1522 und 1566 wurden die landesfürstlichen Weingärten aus der Verbindung mit den Lehnern gelöst und anderweitig vergeben:

“Behauste Güter zu Weinzierl haben vor Jahren von dem Landesfürsten auch Weingärten gehabt, die sind durch den Landesfürsten wiederum eingezogen worden. "

Die Gesamtheit der Lehner behauptete sich aber auch in der Folgezeit gegenüber den übrigen untertänigen Holden des Ortes als “.Lehnergemeinde" in abgehobener Stellung.

Die Grundherrschaft wurde zuletzt von Grafenegg ausgeübt.

1705 kaufte die Lehnergemeinde von Wenzel Adrian Graf Enckevoirt die Grundherrschaft um 12 200 fl. und übte somit als Freie Gemeinde die Herrschaft aus.

Diese umfasste die Ortsobrigkeit über den ganzen Ort, über einen Teil übte sie auch das Landgericht aus.

Die Kirche St. Anton und das zugehörige Hospital

Als die "Siechen datz sand Antonio vor der Stat" erscheinen Kirche und Hospital erstmals in einer Schenkung 1315, doch wird die auf Grund von Bauformen des Kirchenturmes spätestens im 13. Jahrhundert erfolgt sein.

Bezeichnungen wie “Leprosorum" oder "Sundersiechen"-Haus machen deutlich, dass das Spital der "Absonderung" von mit ansteckenden Krankheiten Behafteten diente. Dies erklärt auch die Anlage abseits der Stadt "extra muros". Dazu ist der hl. Eremit Antonius der Patron der unheilbar Kranken, und zu diesen Krankheiten zählte besonders die gefürchtete Lepra.

Den Charakter als Spital hat St. Anton im Laufe der Zeit verloren und diente schließlich als Armenhaus. Dieses wurde 1795 mitsamt der Kirche und dem von einer Mauer umgebenen Grundstück vom Bürgerspital an die Freie Lehnergemeinde Weinzierl verkauft.

Die "Zwanzig Lehner" kamen 1869 einer eingegangenen Verpflichtung nach, ein neues Benefiziatenhaus zu erbauen und errichteten 1876 den heute noch bestehenden Lehnerfriedhof.

1977 wurde von den Lehnern das Patronat über die St. Antonius Kirche an die Diözese St. Pölten zurückgegeben.

Geistliche Besitzungen in Weinzierl

Die urkundlichen Nachrichten über stiftliche Besitzungen beginnen nach 1100. Schließlich hatten in den Rieden von Weinzierl zahlreiche Klöster und Stifte Weingartenbesitz. Einige errichteten hier Verwaltungszentren (Stifshöfe). Erhalten sind die Lesehöfe von St. Zeno - Reichenhall, St. Florian, Lilienfeld und vielleicht Indersdorf.

Die von Raitenhaslach (nach Bombentreffer abgebrochen), Zwettl (erst in den 70er Jahren "beseitigt"), Waldhausen und Aldersbach bestehen nicht mehr.

Der freiwillige Zusammenschluss mit Krems 1905

Am 16.02.1904 fand die erste Sitzung von Vertretern beider Gemeinden über einen möglichen Zusammenschluss statt. Das Interesse der Stadt lag vor allem in einer Ausweitung der Bautätigkeit nach Osten und einer Vergrößerung des Gemeindegebietes.
(NB: Die Gemeinde Weinzierl umfasste 6,39 km2, also ca. 1100 Joch, wovon 1000 Joch die Lehnergenossenschaft besaß).

Dagegen war man sich in der Stadt Krems einig, dass die Vorteile bei Weinzierl lagen, da diese Gemeinde (1904 624 Einwohner, 71 Häuser) notwendige Infrastrukturinvestitionen nicht aus Eigenem bestreiten könnte.

Am 9. Jänner 1905 fasste der Kremser Gemeinderat den diesbezüglichen Beschluss, und mit Juni 1905 wurde der freiwillige Zusammenschluss vollzogen.

Statistisches zu Weinzierl und Argumente zur Vereinigung

Nach dem neu erlassenen Gemeindestatut von 1850 erfolgte die erste Bürgermeisterwahl. Die Gemeindevertretung setzte sich 1850-54 folgendermaßen zusammen:

BGM Karl Bachmann, GR Franz Springer, GR Johann Kerbler
Ausschuss: Ignatz Dietz, Gerstl, Simhandl, Vogl, Ehrenreich, Weiss, Kienbacher, Grünwald, Anton Bachmann.

1904 hält der NÖ Amtskalender zu Weinzierl fest: Fläche 6,39 km-, 624 Einwohner, 71 Häuser.
Kirchlich gehört es zur Pfarre Krems, damit war also schon eine Verbindung gegeben.

BGM Leopold Girsa (Lehenhofbesitzer), Ignaz Weber, Anton Pennersdorfer

Der Gemeinderatsausschuss bestand aus der 20 Lehnergenossenschaft und 8 gewählten Mitgliedern.

Im Amtskalender 1906 kommt Weinzierl verständlicherweise nicht mehr vor. Außer der Verbesserung der Infrastruktur, die für Weinzierl in dieser freiwilligen Vereinigung lag, wurden folgende Punkte noch besonders verlangt:

Die Filialfeuerwehr Weinzierl wird als 4. Zug in die Kremser Feuerwehr eingegliedert.

Die Übernahme des Sicherheitsdienstes durch die städtische Sicherheitswache. Dem Wunsch von Weinzierl, angemessen vertreten zu sein, soll entsprochen werden. Doch ist die beantragte Zuerkennung einer Virilstimme für die 20 Lehnergenossenschaft in der Stadtvertretung aus rechtlichen Gründen nicht möglich.      

 
 
 
 
 
 
 

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